Als ich eben diesen Artikel von Overblog und die Kommentare überflog:
Müssen Blogger in Deutschland verarmen? (vom 09.? Juni - irgendwie klappt das mit dem Link nicht)
fielen mir dazu sofort drei Geschichten ein, die erklären könnten, wieso es in der Deutschen Blogosphäre so duster
aussieht.
1. Anlässlich eines Onlinekurses, bei dem ich erklären wollte, wozu man einen Blog braucht und praktisch vorführen, wie man ihn anlegt, -
unter Vermeidung von Anfangsfehlern wie z.B. zuviel Reklame, stieß ich unter den Online-Marketing- Schülern auf einiges Unverständnis.
Wofür braucht man eine Internetpräsenz, noch dazu eine weitgehend werbefreie, die noch dazu relativ viel Arbeit macht?
Der Blog ist sozusagen die Seele des Web 2.0. Einen Blog haben bedeutet Teilnahme am gesellschaftlichen Leben online. Wem das nicht bewußt ist - wie kann der im Internet Geld verdienen?
Leider sehen Leute, die quasi 'von draußen' hereinkommen und irgendwie gehört haben, man könne Geld verdienen, das Internet als riesige
Werbefläche an, nicht als Kommunikationsmedium, entsprechend produzieren sie schon einigen Spam.
Folge davon ist: Blogs im allgemeinen werden außerhalb der Blogosphäre nicht gelesen.
2. In allen fast allen Social Networks gibt es Blogs - und kaum jemand bloggt dort. Es kommuniziert oder networkt auch keiner (was
eigentlich nichts anderes bedeutet - öffentliches Zusammenwirken, jeder vernetzt mit jedem, privat, geschäftlich, webmastertechnisch).
Auf meine (in einer Community gebloggte) Frage "Liest jemand Blogs?" kam die Antwort, nein, vielleicht steht da was von Networking. Hmm, verwechselt er das jetzt mit Network Marketing? Mag sein, denn da im MLM weder marketing
gelehrt wird, noch Teamgeist herrscht, kann schon der eine oder andere in seinem Blog Reklame machen.
Aber wenn ich an meine 3. Gesschichte denke, sehe ich fast Parallelen zwischen den Networks... . Jeder gegen jeden, nicht unbedingt offen.
Stichworte: Link-Geiz in Deutschland, andere bookmarken geschieht auch nicht, und wer eigene Artikel einreicht bei Yigg, wird als Spammer bezeichnet, besonders, wenn sein Thema irgendwas mit SEO
zu tun hat, oder mit Traffic durch Bookmarking.
Kann es sein, dass in Deuschland weniger gebloggt wird, weil der Social-Networking- Gedanke hier nie so richtig verstanden wurde?
Als Blogger damit anfingen, ihre Blogs zu monetisieren, gab es erstmal ein Gewitter in der Blogosphäre. Das war in Amerika auch so, aber
der Spuk war schnell vorüber, als die Powerblogger-Gurus (das meine ich nicht abwertend) es verstanden, die Werbemittel- verrückten
Neulinge auf den richtigen Weg zu führen - nach dem Motto: Bloggen für Cash geht so: wertvollen Content/Inhalt produzieren, auch wenn es anfangs eine Schweinearbeit macht. Durch den Inhalt
viele Besucher anziehen, dann klappt es auch mit den Verkäufen, den Kontakten oder Adsense, denn Marketing ist nicht gleich Werbung.
Jetzt wird es dort überwiegend genauso gemacht.
Leider ist diese Einsicht bei einigen Deutschen Affiliates noch nicht da, es sei denn, sie waren vorher schon Blogger und warum sollten
Beiträge durch ein paar Anzeigen an Qualität verlieren - trotzdem wird es übelgenommen.
Es ist geradezu auffällig, dass ganz normale Durchschnittsblogs in Bookmarking- Networks fehlen. Denn, selbst wenn sie gelesen werden, fremde Blogs zu bookmarken, in die eigene Blogroll aufzunehmen, könnte ja dazu führen, dass sie höheren Pagerank oder
mehr Besucher bekommen als der eigene. - Als ob es auf Pagerank ankäme, wenn der Inhalt gesuchte Keywords enthält - wem das zu kompliziert ist, der nennt das Black-Hat-SEO und schimpft.
Eigentlich verlinkt man sich im Netzwerk aller Blogs, und kommentiert auch, gerade um den eigenen Besuchern noch mehr Information zu
verschaffen, ohne sie selbst erstellen zu müssen.
Das Networking durch Social Bookmarking und Blogrolls wird völlig ad Absurdum geführt.
Besonders am Beispiel Twitter fällt mir das deutlich auf: Es wird immer einige geben, die unbedingt spammen müssen - sofort werden all die
vielen anderen, die mit dem extra dafür von Twitter hergestellten Button ihren Blog zeigen wollen, statt zu erzählen, dass sie gerade Kaffee trinken, in einen Topf geworfen. Dabei ist es doch so
vollkommen egal, was da für 30 Sekunden in der Public Timeline zu sehen ist - und wenn es offene Reklame wäre. Wer zwingt denn die Meckerer zum Folgen?
Trifft da der alte Spruch zu: Wer es nicht kann, wird Kritiker? Solange mich keiner zwingt, die wenigen Spamblogs, die ich bis jetzt
gesehen habe, intensiv zu lesen, stören die mich nicht im Geringsten. - Was mich stört, und meiner Meinung nach die gesamte Blogosphere, sind die Besserwisser und Miesmacher.
Neulich hat mich sogar einmal jemand in einem Kommentar beleidigt, weil ich in einem neuen Blog das Template und die Schrift noch nicht
fertig eingestellt hatte. Klar sah das furchtbar aus, aber darf jetzt schon ein solcher Ton Einzug halten? Und stört das keinen außer mir?
Dass wahrscheinlich nicht viel Geld im Bloggen ist, gemessen an der Arbeit, auch wenn sie Spaß macht, habe ich mir schon immer gedacht.
Aber verarmen werden Deutschlands Blogger, wenn sie weiterhin nur mit Bedenken ihre eigenen Blogs an den zu diesen Zweck ursprünglich vorgesehenen Plätzen vorzeigen können. Was soll dieser
Konkurrenzkampf? Sind wir nicht aus anderen Gründen schon eingeschränkt genug?
Wer weiß, vielleicht klappt es ja in einer etwas kleineren Community, hier zum Beispiel, mit dem Gemeinschaftsgefühl, Kommentaren, und so
weiter.
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